cubus-kunsthalle-duisburg, `Macht-Missbrauch´

Macht-Missbrauch                                                                                                                                         ein Projekt der Gruppe Nebelhorn

von Raúl Avellaneda

 

Der Eremit

Sie warfen nach ihm mit Steinen.                                                                                                                                                      Er lächelte mitten im Schmerz.                                                                                                                                                        Er wollte nur sein, nicht scheinen.                                                                                                                                                  Es sah ihm keiner ins Herz.                                       

Es hörte ihn keiner weinen,                                                                                                                                                              Er zog in die Wüste hinaus.                                                                                                                                                             Sie warfen nach ihm mit Steinen.                                                                                                                                                  Er baute auf ihnen sein Haus.

 Mascha Kaleko

 

Persönliche Darstellungen von Macht und Missbrauch waren und sind in den Bildern der Gruppe Nebelhorn von Anfang an ein immer wiederkehrendes Sujet.

Im Herbst 2014 trafen einige Mitglieder der Gruppe die Entscheidung, sich ganz gezielt über einen längeren Zeitraum und mit aller Konsequenz diesem Thema zu widmen.

Die beinahe existentielle Notwendigkeit der Betroffenen, den Traumata der Vergangenheit ins Gesicht zu schauen und ihnen in Bildern unterschiedlichster Art und Weise Ausdruck zu verleihen, beeindruckte mich zutiefst. Ich stellte schnell fest, daß es sich hier weniger um die Erfindung beliebiger künstlerischer Metaphern als vielmehr um die unmittelbare Konfrontation mit tiefsitzenden, individuellen seelischen Verletzungen handelte. Meine Aufgabe konnte jetzt nur sein, die Suchenden auf ihrem Weg zu den dunkelsten Kammern ihrer Seelen behutsam zu begleiten und ihnen schützend und solidarisch zur Seite zu stehen.

Die hier gezeigten Bilder, Objekte, Plastiken, Fotografien und Rauminstallationen erzählen von den unterdrückenden Blicken unserer Väter und Mütter; Blicke, die uns zwingen wollen, Wahrheiten zu vertuschen; von Priestern, drohenden Gewändern und Uniformen, von »nur ihre Pflicht« tuenden Ärzten und Beamten, die uns erst zu »Kranken« machen, abstempeln und abheften; von Nötigung und sexuellem Missbrauch, von verzweifelten Opfern der Willkür und Gewalt, fremdbestimmt, ausgegrenzt, bevormundet und zum Schweigen gebracht.

Aber auch von phantastischen geflügelten Kreaturen in überirdischer Farbigkeit, die uns Mut geben, dem teuflischen Kreislauf zu entkommen – und von der heilenden, wenigstens lindernden Kraft des Humors.

Diese Bilder erscheinen mir als ein rebellischer Akt der Selbstbefreiung, als ein Versuch, der erlebten Gewalt, der erzwungenen Passivität, den komplizenhaft verschworenen gesellschaftlichen Strukturen und ihren darin agierenden Tätern Widerstand zu leisten.

Grundlage dafür ist dabei die über Jahre gewachsene Vertrauensebene im Atelier der Gruppe Nebelhorn. Hier entstanden Freundschaften zwischen Menschen, die sich woanders nie begegnet wären, in diesem ebenso offenen wie behütetem gesellschaftlichen Freiraum lernten viele wie selbstverständlich Masken abzulegen, die schon zu ihrer eigenen Natur geworden waren – und auch mir ist dieser Ort zur Heimat in der Fremde geworden.

Wenn wir uns nachts – nach gemeinsamer Arbeit und geselligem Beisammensein – verabschieden, habe ich oft das Gefühl, daß gewaltige Lasten im Atelier abgefallen sind. Tief und dunkel wie die Nebelhörner der Schiffe senden sie uns nun Signale der Verständigung, Warnungen und Hilferufe.

Ich danke allen Teilnehmern der Gruppe für das Vertrauen, diese intimen Arbeiten nun auch öffentlich zu zeigen.

 

Das Projekt wurde gefördert von:

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Fotogalerie

Fotos: Raúl Avellaneda

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Ausstellungen 1

 

Ausstellungen2

 

Ausstellungen3

 

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Ausstellungen4

 

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